Medienkompetenz – Aber richtig!

Ein Artikel in der Basler Zeitung ließ mich aufhorchen: “Schüler lernen Twitter statt Geschichte”.

Die Kurzversion: Britische Schüler sollen in Zukunft den Umgang mit Medien wie Twitter und Wikipedia schon in der Schule lernen. Im Gegenzug soll das Fachwissen über den Zweiten Weltkrieg aus dem Lehrplan gestrichen werden.

Bevor ich mich hier über diesen, meiner Meinung nach, hanebüchenen Schwachsinn auslasse, stelle ich eine Frage in den Raum: Was verstehen die Erfinder dieser Idee unter dem Begriff Fachwissen über den Zweiten Weltkrieg? Wenn es rein um Zahlen, Daten und Fakten geht, wie sie zB in der deutschen Wikipedia zum Thema zu finden sind, dann lasse ich mit mir reden. Hut ab vor jedem Schüler, der schon allein über das Wissen verfügt, dass in dem Artikel angeführt wird. Wenn sie hier streichen wollen, die eine oder andere Schlacht und den dazugehörigen Feldherrn auslassen, meinen Segen haben sie.

Was aber auf keinen Fall angetastet werden darf ist das Wissen, dass zwischen diesen Zeilen steht. Die Hintergründe. Die Ideologie. Was hat zu dieser Entwicklung geführt. Was waren die schrecklichen Auswirkungen dessen. Was sind die Konsequenzen und Lehren, die wir daraus gezogen haben.

Ich habe den Eindruck manche Menschen glauben, dass wir mit dieser Geschichte der jungen Generation Schuldgefühle beibringen. Diese Gedanken kann und will ich nicht teilen. Wer in der damaligen Zeit nicht gelebt hat, hat auch keine Verantwortung für das, was damals passiert ist. Schuldzuweisungen sind hier fehl am Platz. Was aber definitiv für alle, auch die nachfolgenden, Generationen gilt, ist die Verantwortung für das eigene Handeln. Und somit die Verantwortung, dass sich diese Geschichte niemals wiederholt.

Der österreichische Kabarettist Gunkl hat in seinem Programm “Ich lass mich gehen – ein Abschied” eine sehr treffende Formulierung:

“Was vergangen ist, ist vorbei, das vergessen wir einfach, wenn´s vergessen ist, ist es so gut wie nicht passiert, da war überhaupt nix, und genau das machen wir jetzt wieder!” Eine Gesellschaft kann sich das nicht leisten.

Damit komme ich zum Punkt der Medienkompetenz. Twitter und Wikipedia sind Medien der neuen Zeit. Sie sind ein Transportkanal. Eine Möglichkeit der Wissensvermittlung. Ich hoffe nicht, dass zu meiner Schulzeit irgendein Lehrinhalt weichen musste, nur damit mir beigebracht werden konnte, wie man ein Wörterbuch oder ein Lexikon verwendet.

Lexikon ist genau der Ausdruck, der die Wikipedia beschreibt. Die Urheber sind heute andere als damals, aber die Verwendung und der Sinn des Konzepts hat sich nicht verändert. “Aber genau durch dieses Konzept ist die Wikipedia ja anfällig für Manipulationen”, höre ich schon manche rufen. “Ja, stimmt”, gebe ich da zur Antwort. “Im Gegenzug ist die Wikipedia aber laufend aktuell. Wer einen Fehler entdeckt, korrigiert ihn.”

Für akademische Zwecke ist die Online-Enzyklopädie als einzige Quelle bei weitem nicht ausreichend. Für die Grundschule denke ich aber doch hinreichend. Wie oft wird bis dato nur ein einziges Schulbuch zur Bearbeitung eines Themas verwendet.

Kommen wir doch bitte endlich von diesem “entweder, oder” Denken ab. “Sowohl, als auch” ist der nützlichere Ansatz.

Die Verwendung der modernen Onlinemedien für die Vermittlung schulischer Inhalte, den Zweiten Weltkrieg eingeschlossen, bietet die ideale Kombination. Kinder lernen am besten dadurch, dass sie Dinge anwenden. Wahrscheinlich lernen sie sogar schneller als das Lehrpersonal, das damit arbeitet. Selbstverständlich sind die Unterrichtenden auch bei dieser Methode nicht von ihrer Aufsichtspflicht entbunden. Natürlich muss sich der Vortragende mit den Inhalten auseinander setzen. Und was könnte ihm dabei besseres passieren, als wenn er auf einen Fehler stößt? Es wäre ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles richtig sein muss. Wenn er es dann schafft den Schülern zu erklären, wie man Fehler erkennt und mit ihnen gemeinsam den Fehler korrigiert, dann haben alle gemeinsam etwas zum Projekt Wikipedia beigetragen und dabei ihre Medienkompetenz gestärkt.

Nachhaltig.

  • email
  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • Digg
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Identi.ca
  • LinkedIn

Autor: Christian Tawfik
Datum: Donnerstag, 26. März 2009 12:18
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Gesellschaft, Medien, Politik

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

2 Kommentare

  1. 1

    Habe einen Kommentar verfasst zum Artikel der Basler Zeitung: "Schüler lernen Twittern statt Geschichte" – http://is.gd/p2Sa

  2. 2

    @Digitalks Dieses Modell gefällt mir besser als das, das die Briten angedacht haben: http://is.gd/p2Sa

Kommentar abgeben